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“Denn es werden viele kommen unter meinem Namen ...”

Falsche Christuserscheinungen im 20. Jahrhundert

Arfst Wagner

Im Matthäusevangelium, Kapitel 24, finden wir die folgenden Worte: “... und welches wird das Zeichen sein Deines Kommens und des Endes der Welt? Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, dass euch nicht jemand verführe. Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: Ich bin der Christus, und werden viele verführen. Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei ... Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich wider das andere. [...] Das alles aber ist der Anfang der Wehen. [...] Dann werden viele der Anfechtung erliegen und werden sich untereinander verraten und werden sich untereinander hassen. Und es werden sich viele falsche Propheten erheben und werden viele verführen. [...] Wenn alsdann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist der Christus! oder da! so sollt ihr's nicht glauben. Denn mancher falsche Christus und falsche Propheten werden aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, so dass, wenn es möglich wäre, auch die Auserwählten verführt würden. [...]

Bald aber nach der Trübsal jener Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. [...] Darum wachet; denn ihr wisset nicht, welchen Tag euer Herr kommen wird.” 1

Im Nachfolgenden wollen wir uns mit drei verschiedenen Formen des Auftretens falscher Christuserscheinungen auseinanderzusetzen.

In der FAZ vom 19.02.1986 findet sich folgender Nachruf:

“ERLÖSERFIGUR – Zum Tode von Jiddu Krishnamurti. Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti ist am Montag im Alter von 90 Jahren an einer Krebserkrankung gestorben. Bis zuletzt hatte der 1897 in Madras geborene Brahmane in seiner erst vor elf Jahren gegründeten Philosophenschule von Ojai in Kalifornien gewirkt und in seinen über vierzig Büchern, von denen zahlreiche auch in deutscher Übersetzung erschienen, auf die religiösen Alternativbewegungen der Gegenwart Einfluß genommen.

Bereits im Alter von zwölf Jahren war Krishnamurti von der damaligen Weltpräsidentin der ‚Theosophischen Gesellschaft‘, Annie Besant, der Nachfolgerin von Helena Petrowna Blavatsky, zur neuen Erlöserfigur, zum reinkarnierten Christus erklärt worden, die für ihn 1910 den ‚Orden des Sterns im Osten‘ gründete. Der Kult um Krishnamurti brachte die ‚Theosophische Gesellschaft‘ in eine entscheidende Krise, in deren Verlauf sich ein beträchtlicher Teil der deutschen Theosophen unter Rudolf Steiner in der 1913 gegründeten ‚Anthroposophischen Gesellschaft‘ selbständig machte.

Krishnamurti selbst lehnte lange Zeit eine organisierte Religionsbewegung ab, da er die spirituelle Wahrheit für unorganisierbar hielt. 1929 löste er dementsprechend seinen Orden auf und gründete auch erst in den siebziger Jahren in Kalifornien, England und Indien Niederlassungen seiner Schule.

Seine aus indischen und europäischen Quellen gespeiste Lehre wollte auf intuitivem Wege die Harmonie zwischen All und Ich erreichen. Religiöse Erneuerung und Meditation schienen ihm das ‚Tor zu neuem Leben‘ zu sein, wie eines seiner zuletzt veröffentlichten Bücher hieß.” 2

Betrachten wir die Vorgänge um Krishnamurti im Jahr 1910 etwas genauer: Im Jahre 1906 war es in der Theosophischen Gesellschaft zu einem Skandal gekommen, der deren gesamte Arbeit auf das Schwerste erschütterte. Der enge Mitarbeiter von Annie Besant, Charles Webster Leadbeater, der als Eingeweihter galt, mußte sich wegen sexuellem Mißbrauch von Kindern vor Gericht verantworten. Annie Besant, die Leiterin der Theosophischen Gesellschaft, war dadurch in große Schwierigkeiten gekommen. Sie hatte sich in den Jahren vorher bei ihren Äußerungen okkultistischen Inhalts stets darauf berufen, mit Leadbeater zusammen vor den “Meistern”, den Lehrern und Inspiratoren der Theosophischen Gesellschaft, gestanden zu haben. Zu den Grundbedingungen dieser Beziehung zu den Meistern gehörte aber absolute sexuelle Reinheit.

Leadbeater trat aus der Theosophischen Gesellschaft aus.

Annie Besant benötigte nach dem Tode des Mitbegründers der Theosophischen Gesellschaft, des Oberst Henry Steele Olcott, dringend die Mitarbeit Leadbeaters in Adyar, dem Sitz der Gesellschaft in Indien. Am 10. Februar 1910 kehrte Leadbeater nach Adyar zurück. Seit einigen Wochen lebte dort Jiddu Narianiah mit seinen Söhnen. Sein achtes Kind, geboren am 11. Mai 1895 in der Mittelgebirgsstadt Madanapalle, wurde nach strengem Hindubrauch nach Sri Krishna genannt.

Bereits kurz nach seiner ersten Begegnung mit Krishna offenbarte Leadbeater einem Mitarbeiter, dass dieser Knabe der Träger des “Lord Maitreya” werden würde. Leadbeater teilte mit, er selbst habe von den Meistern die Anweisung erhalten, den Knaben für diesen Zweck vorzubereiten.

Die verschiedenen weiteren Begebenheiten sind ausgesprochen aufschlußreich, können hier aber nicht weiter ausgeführt werden. Wir verweisen auf die Literatur. 3

Knapp zwei Jahre später waren die Vorbereitungen, die mit der Verkündigung enden sollten, dass sich in dem Knaben Krishna, “der große Lehrer”, wiederverkörpert habe, soweit gediehen, dass von George Arundale, einem weiteren Mitarbeiter der Leitung der Theosophischen Gesellschaft, der “Orden der aufsteigenden Sonne” gegründet wurde. Dieser Orden hatte das Ziel, “diejenigen Menschen in Indien zu sammeln, die an das baldige Kommen eines großen Geisteslehrers glaubten, damit sie halfen, die Öffentlichkeit auf sein Kommen vorzubereiten, und auch, um eine Atmosphäre des Willkommens und der Verehrung zu schaffen.” 4

Wir lesen in dem Buch von Mary Lutyens über Krishnamurti:

“Die Gesellschaft besaß zu dieser Zeit ungefähr sechzehntausend aktive Mitglieder in der ganzen Welt. Die Theosophen waren je nach Orten oder besonderen Aktivitäten in Logen aufgegliedert. In großen Städten gab es auch manchmal mehrere Logen – die sechzehntausend Mitglieder verteilten sich auf mehr als sechshundert Logen. Dieses System barg insofern Gefahren, als die einzelnen Gruppen leicht ausbrechen oder sich von Adyar unabhängig machen konnten. Eine solche Abspaltung hatte es vor einigen Jahren in Amerika gegeben, doch jetzt bewirkte die Gründung des Ordens des Sterns im Osten ein noch ernsteres Schisma, Rudolf Steiner in Deutschland war ein wichtiges Mitglied, das sich absonderte und mit ihm die meisten deutschen Logen, die mit ihm die Anthroposophische Gesellschaft gründeten. Die T.G. erholte sich jedoch von diesem Schlag und wuchs weiter. Im Jahre 1920 hatte sie 36.350 Mitglieder, und bis 1928 erreichte die Mitgliederzahl mit 45.000 Personen ihren Höhepunkt.” 5

Besant und Leadbeater glaubten, anhand ihrer okkulten Forschungen das frühere Leben des Knaben Jiddu Krishnamurti zu überschauen. Wen hatten die beiden im Auge, wenn Sie von “Christus” sprachen? Annie Besant schreibt in ihrem Buch “Esoterisches Christentum” das folgende: “Das Kind, dessen hebräischer Name in den des Jesus umgewandelt wurde, ist in Palästina im Jahre 105 vor Jesus Christus geboren, unter dem Konsulate des Publius Rutilius Rufus und des Cnaens Mallius Maximus.” 6

Der Verfasser eines Buches über Annie Besant, Eugène Levy, bemerkt hierzu: “Der Christus, von dem Mrs. Besant spricht, ist daher nicht der historische Jesus, der auch der Jesus der Evangelien ist, da des letzteren Leben ein Jahrhundert später verläuft.” 7

Leadbeater schreibt in seinem Buch “Der Okkultismus in der Natur” das folgende: “Wenn man z.B. mit Hilfe der Hellsichtigkeit das Leben des Gründers des Christentums erforscht, so findet man gar keine Spur der zwölf Apostel. Sie scheinen als Menschen niemals existiert zu haben, sondern in die Geschichte eingeführt worden zu sein aus irgendeinem beliebigen Grunde, vielleicht um die zwölf Tierkreiszeichen zu symbolisieren.” 8

Auf Seite 23 desselben Werkes schreibt Leadbeater: “Was die nahe Wiederkehr des Christus und sein Werk betrifft, so möchte ich auf Frau Besants Buch ‚Die Welt von morgen‘ verweisen. Die Wiederkehr des Christus ist nicht fern und der Körper schon geboren, von dem er Besitz nehmen soll.” 9

In der Pariser Revue Je sais tout vom 13.11.1912 liest man desweiteren die folgenden Worte: “Der Lehrer und Initiator ... wird sich, so glaubt man ... in der Person eines jungen Hindu, Krishnamurti, inkarnieren, den die Häupter der Theosophie zu diesem heiligen Augenblick vorbereiten.” 10

In ihrem eben erwähnten Buch schreibt Besant: “In kurzer Zeit wird der höchste Lehrer wieder auf Erden sein, sich wieder als Lehrer offenbaren, noch einmal wird er unter uns wandeln und leben, wie er einstens in Palästina gelebt hat. ” 11

Leadbeater wiederum verkündete, dass der Christus der Evangelien nie bestanden habe und dass er eine Erfindung von Mönchen des zweiten Jahrhunderts sei.

 

Rudolf Steiner blickt auf die Geschehnisse in Madras

Dass aufgrund der Geschehnisse um die Verkündigung des “neuen Weltlehrers” sich die Deutsche Sektion der Theosophischen Gesellschaft abspaltete, was schließlich zur Gründung der Anthroposophischen Gesellschaft zum Jahreswechsel 1912/13 führte, ist hier nicht unser Thema.

Zu einem Mitarbeiter, dem späteren Waldorflehrer Alexander Strakosch, äußerte sich Rudolf Steiner in der folgenden von Strakosch in seinen Erinnerungen an Rudolf Steiner beschriebenen Weise: “Aber aus der weiten Welt kamen nicht nur die allgemeinen Nachrichten. Mit einer gewissen Sorge sahen wir vom Fenster unserer Triester Wohnung den Dampfer in den Hafen einbiegen, der die Post aus Indien brachte. Es war ja die Zeit der traurigen Angriffe von Annie Besant (gegen Rudolf Steiner, den sie unter anderem als Jesuiten bezeichnete; A.W.) und des Krischnamurti-Rummels, und es tat einem von Herzen weh, sehen zu müssen, wie Rudolf Steiner unter diesen Niedergangserscheinungen der theosophischen Gesellschaft gelitten hat. Er sprach sonst nie von seiner Person, aber als es einmal ganz schlimm war, sagte er still: ‚Diese Sache kostet mich fünf Jahre meines Lebens.‘” 12

 

Wird Christus sich noch einmal auf Erden verkörpern?

Aus welchem Grund nahm Rudolf Steiner diese Vorgänge um den Hinduknaben Krishnamurti so ernst? Es gibt viele Gründe, die dafür anzugeben sind. Durch die Verkündigung einer physischen Wiederkunft Christi wurde ein Hindernis vor die Tatsache gestellt, die Rudolf Steiner die “ätherische Wiederkunft Christi” nannte. Wir wollen eine der Aussagen, die Rudolf Steiner über die Tatsache der Erscheinung Christi im Ätherischen aussprach, an dieser Stelle zitieren:

“In unserem 20. Jahrhundert werden sich allmählich in einem Teil der Menschheit neue menschliche Seelenfähigkeiten entwickeln. Zum Beispiel wird es möglich sein, bevor das 20. Jahrhundert abgelaufen sein wird, den menschlichen Ätherleib wahrzunehmen. Eine andere Fähigkeit wird die sein, dass man, wenn man in sein Inneres schaut, wie im Traum das Bild, das Gegenbild einer Handlung wahrnimmt, die man vollziehen wird. Gewisse besonders dazu veranlagte Menschen werden noch eine andere Erfahrung machen. Was Paulus vor Damaskus erlebte und was für ihn eine persönliche Erfahrung war, das wird für eine gewisse Anzahl von Menschen allgemeine Erfahrung werden.

Die Bedeutung, welche dieses Ereignis im 20. Jahrhundert haben wird, kann man aus dem folgenden erkennen. Paulus konnte von allem, was sich in Palästina ereignet hat, wissen, ohne dass dies aus einem Saulus einen Paulus machen konnte. Sein Seelenzustand war ein solcher, dass er nicht überzeugt werden konnte, dass in dem Nazarener der Christus lebe. Erst das Ereignis von Damaskus sagte seinem hellseherischen Bewußtsein: Der Christus ist vorhanden.

Die Menschen, welche im 20. Jahrhundert das Ereignis von Damaskus erlebt haben werden, werden das direkte Wissen vom Christus bekommen, sie werden nicht notwendig haben, sich auf Dokumente zu stützen, um den Christus zu erkennen, sondern sie werden das direkte Wissen haben, wie es heute nur der Initiierte besitzt. Alle Fähigkeiten, die heute mittels der Initiation erworben werden, werden in Zukunft allgemeine Fähigkeiten der Menschheit sein. Dieser Zustand der Seele, dieses Seelenerleben, wird im Okkultismus die ‚Wiederkunft Christi‘ genannt. Der Christus wird nicht wieder in einem physischen Leib verkörpert sein, sondern er wird in einem ätherischen Leib erscheinen, wie auf der Straße nach Damaskus.” 13

Über die Zeit des ersten Auftretens dieser Fähigkeit sagt Rudolf Steiner: “Indem die Menschen fähig werden, den Ätherleib zu sehen, werden sie den Ätherleib des Christus Jesus sehen lernen, wie der Paulus ihn gesehen hat. Das ist dasjenige, was als das Charakteristikum eines neuen Zeitalters beginnt und was sich schon zwischen 1930 bis 1940/45 zeigen wird.” 14

Somit erscheint deutlich die Tatsache, dass eine Verfälschung dieser spirituellen Wiederkunftsanschauung die Menschen davon abbringen könnte, sich die betreffenden Fähigkeiten anzueignen, um lieber auf eine erneute physische Wiederkunft zu warten.

Solche Tendenzen finden wir auch heute noch.

dass gerade in den Jahren zwischen 1933 und 1945 dunkle Mächte in Deutschland das Ruder ergriffen, deren Wurzeln viel tiefer reichen, als es die moderne Geschichtsschreibung wahrhaben will, habe ich an anderer Stelle behandelt 15 und auch auf die Zusammenhänge mit der Erscheinung Christi im Ätherischen verwiesen. Um so bestürzender ist die Tatsache, dass Rudolf Steiner gerade auf diese Jahre verwies und dass er offenbar die Hoffnung hatte, dass in der betreffenden Zeit sich Gutes für die Menschheit ergeben könnte:

“Die ersten Anzeichen dieser neuen Seelenfähigkeiten, die werden sich in vereinzelten Seelen schon verhältnismäßig bald bemerkbar machen. Und sie werden sich deutlicher zeigen in der Mitte der dreißiger Jahre unseres Jahrhunderts, ungefähr in der Zeit zwischen 1930 und 1940. Die Jahre 1933, 1935 und 1937 werden besonders wichtig sein. Da werden sich am Menschen ganz besondere Fähigkeiten als natürliche Anlagen zeigen. In dieser Zeit werden große Veränderungen vor sich gehen und Prophezeiungen der biblischen Urkunden sich erfüllen.” 16

Ich werde auf die Vorgänge dieser Jahre noch später zurückkommen.

Die Aussagen Rudolf Steiners, die wir in diesem Zusammenhang brachten, sind alle Vorträgen entnommen, die er zwischen dem 25. Januar und dem 13. April 1910 gehalten hat. In dem herangezogenen Vortragszyklus (GA 118) finden sich weitere Äußerungen. Er trägt den Titel “Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt”.

Rudolf Steiner sprach die eben genannten Vorträge unter dem Eindruck dessen, was zur selben Zeit in Adyar geschah. Am Ende der folgenden Aussage, die wir wegen ihres zentralen Stellenwertes ausführlich bringen, findet er deswegen auch harte Worte für die Theosophen, die der Lehre einer physischen Christuswiederkunft anhingen bzw. anhängen:

“Der Christus hat sich auf dem physischen Plan inkarniert, als die Menschheit auf ihren physischen Körper beschränkt war. Wir können heute die Worte des Johannes-Evangeliums wiederholen: Ändert euren Sinn, damit eure Fähigkeiten sich der geistigen Welt erschließen. – Denn Menschen mit ätherischem Hellsehen werden den Christus im ätherischen Körper vor sich sehen.

Die beschriebenen Fähigkeiten liegen jetzt als Samen in der Seele. In Zukunft werden sie entwickelt sein und man wird sagen können, dass das Schicksal des Menschen bis zu einem gewissen Sinn in seinen eigenen Händen liegt. Es wird notwendig sein, dass die Menschen, wenn diese Erscheinung auftritt, wissen, was diese Fähigkeiten bedeuten. Dann wird es für die Menschen unmöglich sein, wie jetzt, in den Materialismus zurückzufallen. Wenn diese Fähigkeiten in Erscheinung treten werden, wird man nicht gleich darauf achten. Die Menschen, welche diese Fähigkeiten besitzen, werden sogar als phantastisch und krank betrachtet werden. Die geisteswissenschaftliche Botschaft hat deshalb die Mission, die Menschen zum Verständnis solcher Fähigkeiten vorzubereiten. Es sind also die von der Geisteswissenschaft mitgeteilten Ideale nicht willkürlich, sondern ein notwendiges Mittel für die Entwickelung der Menschheit.

Was wir gesagt haben, wird in den zukünftigen Jahren noch öfter wiederholt werden, aber es ist notwendig, dass es richtig verstanden wird. Es ist möglich, dass die materialistischen Tendenzen in die Theosophische Gesellschaft eindringen, bis zu dem Punkt, dass man glauben wird, der Christus werde einen materiellen Körper annehmen, wenn er wiederkehre. Damit würde man bestätigen, dass die Menschheit während der letzten 2000 Jahre keinen Fortschritt gemacht hat. Christus erschien vor 2000 Jahren in einem physischen Körper für die physische Wahrnehmung. Für das zukünftige Hellsehen wird er im Ätherleib erscheinen. Wir bereiten uns mittels der Geisteswissenschaft vor, die bedeutende Epoche, die vor uns steht, zu verstehen. Um Theosoph zu sein, genügt es nicht, theoretisch die Theosophie zu verstehen, sondern man muß sie in sich leben. Es wird notwendig sein, dieses große Ereignis ganz exakt zu betrachten.

Es wird unternehmende Menschen geben, die aus der materialistischen Richtung der Theosophie versuchen werden, ihre Vorteile zu ziehen, und glauben zu machen, dass sie der Christus seien. Und sie werden Menschen finden, die ihnen Glauben schenken. Es wird eine Prüfung für die wirklichen Theosophen sein, sich gegen solche Versuchungen zu wappnen, und statt das menschliche Gefühl so zu erniedrigen, es emporzuheben zu den geistigen Welten. Die, welche in der richtigen Weise die Theosophie verstehen werden, sie werden diesen falschen Messiassen des 20. Jahrhunderts sagen: Ihr kündigt uns die Erscheinung des Christus auf dem physischen Plan an, aber wir wissen, dass der Christus sich nur als ätherische Erscheinung manifestieren wird. – Die wirklichen Theosophen werden das Erscheinen des Christus für die höheren Sinne erwarten. Der Mensch muß vor dem Tod die wahre Bedeutung der Wiederkehr Christi verstanden haben, dann wird dieses Verständnis ihm die geistigen Sinne durch das Leben zwischen Tod und neuer Geburt öffnen. Diejenigen aber, die nicht die Fähigkeit haben werden, die Bedeutung der Wiederkehr Christi auf Erden zu verstehen, müssen eine neue Verkörperung abwarten, um dieses Verständnis auf dem physischen Plan erwerben zu können.” 17

 

Okkulte Forschung und geistige Hindernisse

Noch aus einem anderen Grund wird ersichtlich, weshalb Rudolf Steiner davon sprach, dass ihm diese Sache fünf Jahre seines Lebens kosten werde.

Es gibt für den Geistesforscher ein Gesetz, das mit der Unterscheidung von Wahrheit und Täuschung im Bereich der geistigen Welt zu tun hat und dessen Nichtbeachtung zu den unglaublichsten Irrtümern führen kann. Rudolf Steiner erwähnt dieses Gesetz in einem anderen Zusammenhang, der jedoch auch mit Ereignissen in der Theosophischen Gesellschaft zu tun hat:

“... man hat es ja mit Okkultismus zu tun, und Okkultismus bedeutet, dass zum Erfassen seiner Wahrheiten eine größere Kraft notwendig ist als zum Erfassen der gewöhnlichen Wahrheiten des physischen Plans. Daher ist aber auch eine größere Kraft der Täuschung vorhanden, die zu durchschauen ist. [...] Das ist nicht leicht zu durchschauen, weil eine größere Gegenkraft notwendig ist, die man anwenden muß, um die Täuschung zu durchschauen.” 18

Mit anderen Worten: Beschäftigt sich der Geistesforscher mit einer spirituellen Tatsache der geistigen Welt, so hat er zunächst die Täuschungen zu durchschauen, die sich durch fehlerhaftes Erforschen anderer Geistesforscher vor diese Tatsache gestellt haben, bevor er an die Erforschung der Wahrheit dieser Tatsache gehen kann. Und dieses Hinwegräumen der Täuschungen erfordert eine größere Anstrengung als die Erforschung der eigentlichen Wahrheit. Dieses Gesetz zwingt den Geistesforscher, sich die große Verantwortung bewußt zu machen, in die er mit seinen Forschungen hineingestellt ist.

 

Die Wandlung des Jiddu Krishnamurti

In Adyar nahmen die Vorgänge ihren weiteren Verlauf. Annie Besant empfand sich unter dem Eindruck eines gewaltigen Geschehens. Das war allerdings nur die eine Seite des Geschehens. Innerhalb der Theosophischen Gesellschaft selbst kam es zu heftigsten Auseinandersetzungen aus den verschiedensten Gründen. In welche Verwirrungen deren Mitglieder verstrickt waren, macht folgendes Beispiel deutlich, das ich wiederum dem Buch von Mary Lutyens entnehme:

“Während dieser hektischen Tage in Huizen wurden viele Botschaften und Anweisungen der Meister durch George ‚übermittelt‘: Eingeweihte sollten nicht mit Nicht-Eingeweihten das Zimmer teilen, die Priester sollten nur seidene Unterwäsche tragen, Priesterröcke und Gewänder seien sorgfältig auszuwählen, Hüte seien nicht zu tragen. (Die Anweisung wegen der seidenen Unterwäsche war besonders hart für die ärmeren Priester. Auch streikte Frl. Dodge endlich einmal, als sie gebeten wurde, für die Priester Meßgewänder zu kaufen.) Frau Besant, Wedgwood, George und Rukmini wurden angewiesen, Eier in keinerlei Form mehr zu verzehren. Nach Lady Emilys Aufzeichnungen hielt sich allein Frau Besant an diese Diätanweisung und hungerte sich fortab fast zu Tode, da sie ja nicht einmal mehr ein Stück Kuchen essen durfte.

Der beabsichtigte Besuch bei dem gräflichen Meister in seinem ungarischen Schloß wurde lang und breit erörtert. Die Begegnung war von äußerster Wichtigkeit, denn wenn man den Grafen auf der physischen Ebene aufsuchen konnte, wäre der Welt damit die Existenz aller Meister unbezweifelbar bewiesen. Die tatsächliche geographische Lage des Schlosses war ein Geheimnis. George hatte die astrale Anweisung bekommen, ein Kursbuch des europäischen Festlandes willkürlich aufzuschlagen und mit seiner Gruppe dann zu dem Ort zu reisen, auf den er zufällig mit dem Finger tippen würde.

Am Abend des 7. August erlangten K (in Ojai), Raja (in Indien), George und Wedgwood alle zusammen die vierte bzw. Arhat-Einweihung. Leadbeater und Frau Besant waren bereits Arhats. George sagte zu Lady Emily, dass diejenigen, die diese Einweihung erlangt hatten, eine Gnade erbitten dürften, und dass K für Nityas Leben gebeten habe. Am gleichen Abend wurden Lady Emily und Frau Dr. Rocke (in Sydney) vom Herrn auf der Astralebene dazu geweiht, einem Frauen-Orden vorzustehen, den er bei seinem Erscheinen gründen wollte. Dies freute besonders Lady Emily sehr, da sie an Kleidern kein Interesse hatte und nun hoffte, bald das Gewand einer Äbtissin anlegen zu dürfen.

Es wurde auch mitgeteilt, dass George und Wedgwood direkte Jünger des Mahachohan sind (trug Lady Emily am 10. August in ihr Tagebuch ein). Wedgwood soll Mahachohan der 7. Wurzelrasse sein mit Amma (Frau Besant) als Manu und C.W.L. als Bodhisattva. Aus diesem Grunde zieht Mahachohan allmählich seinen Einfluß von Raja ab, der bisher diese Stellung in der Dreierverbindung innehatte. George sagte mir, dass Raja viel Hilfe brauche, weil er sich wegen dieser neuen Ernennung sehr niedergedrückt fühlen müsse. George selbst sollte das Oberhaupt der 7. Rasse sein, und er sagte mir, diese Inkarnation hier sei seine letzte, und dass er in Zukunft durch das ganze Universum gesandt würde und nicht mehr an einen bestimmten Planeten gebunden sei.” 19

Das Kapitel aus dem Buch von Mary Lutyens ist überschrieben mit dem Titel “Die selbsternannten Apostel”.

Der Vater Krishnamurtis und seines Bruders Nityananda, G. Narayaniah, hatte unterdessen Annie Besant verklagt, da diese ihm nicht mehr gestattete, seine Söhne zu sehen und zu sprechen. Besant mußte sich im April 1913 vor Gericht verantworten. Unter Kreuzverhör machte sie dort unter anderem die folgende Aussage:

“In E.S. (Versammlungen der Esoterischen Schule) Versammlungen habe ich ein- oder zweimal, ziemlich unbestimmt, aber doch deutlich genug, gesagt, dass der Körper des Knaben von dem Lord Maitreya benutzt werden wird. Ich sagte es nicht öffentlich, aber ich sagte es nach dem 28.12.1911. ... In The Link sagte ich, dass ich zuerst drei Körper hingestellt habe, aber später, als die Dinge immer klarer wurden, sagte ich, dass der Körper des älteren Knaben durch den Lord Maitreya benutzt werden würde. ... Ich glaube auch, dass Lord Maitreya und Christus derselbe sind. Ich glaube, dass er den Körper eines anderen Schülers vor 2000 Jahren benutzte. ... Christus und Lord Maitreya sind derselbe; der Meister Jesus war eine andere Persönlichkeit, natürlich würde ich das nicht vor der Welt veröffentlicht haben. Ich dachte nur, dass es an Leute gelangt wäre, die sich durch ein Versprechen verpflichtet haben. Im Theosophist vom Januar 1911 ... wies ich hin auf das Erscheinen einer anderen Persönlichkeit, ähnlich dem Christus. Ich meine das. Ich gebe es zu. Ohne weiter zu zitieren, ich glaube tatsächlich, dass sein Körper in einigen Jahren von Lord Maitreya benutzt werden wird.” 20

Auf Verlangen des Bevollmächtigten des Klägers mußte Annie Besant einige Nummern der Zeitschrift The Link vorlegen. Die folgende Passage aus dieser Zeitschrift enthält Worte von ihr, die anläßlich einer Versammlung des “Ordens des Sterns im Osten” in Benares gesprochen worden sind, bei welcher Krishnamurti als das Oberhaupt die Mitgliederscheine verteilte. Er war zu dieser Zeit sechzehn Jahre alt.

“Was außerdem einige sahen, das laßt mich jetzt erzählen. Eine große Krone aus glänzendem, strahlendem Blau erschien ungefähr einen Fuß hoch über dem jungen Haupt, und aus derselben strömten hernieder trichterförmig helle Ströme blauen Lichtes, bis sie das dunkele Haar berührten und in das Haupt sich ergossen und es umfluteten; der Lord Maitreya war da und verkörperte sich in seinem Auserwählten. Innerhalb der Krone strahlte das Rot des Symbols des Meisters Jesus, das ‚Rosenkreuz‘ (Rosy Cross), und oben in der Luft, beinahe von der Decke herab, leuchtete der blitzende und funkelnde Stern, den alle Initiierten kennen. Ringsherum, das Gebäude im Innern schützend, sozusagen eine lebende Mauer bildend, hingen die großen grünen Devas, ein Viereck von funkelndem Licht und Farben, herrliche, immer glorreichere Stufenfolgen von beglückender Schönheit.” 21

Ebenfalls vor Gericht verlesen wurde die folgende Passage aus The Link vom August 1912:

“Und wir leben jetzt in solch einer Zeit, wo wir die Ankunft des Lord Maitreya erwarten; wie die Dinge sich gestalten, wenn Er wirklich unter uns ist, in dem von Ihm erwählten Körper, das wissen wir nicht; aber wir wissen, dass die Ausgießung Seiner Liebe, Seiner Kraft, das, wovon wir als Seinem Magnetismus sprechen, schon so oft ausgegossen worden ist, so unerwartet, dass dadurch gegenwärtig die ganze Lage der Dinge hier in Indien eine Veränderung erfahren muß. Wohin auch immer unser junger Bruder geht, da trägt er mit sich jenen Einfluß, jenen offenen Verbindungsweg zu der höheren Welt, und darin liegt der große Vorteil, den Ihr habt.” 22

Es sei auch noch eine der typischen Ansprachen Krishnamurtis gebracht, die deutlich werden läßt, wie er zum Zeitpunkt der folgenden Ansprache im Jahre 1924, nunmehr 19 Jahre alt, einwirkte:

“Lernt mir zu dienen,

denn nur so werdet ihr mich finden

Vergeßt euch selbst,

denn allein dann kann ich gefunden werden

Schaut nicht aus nach den GROSSEN,

wenn sie euch sehr nahe sein mögen

Ihr seid wie der Blinde, der die Sonne sucht

Ihr seid wie der Hungrige, dem Speise angeboten wird und der nicht ißt

Das Glück, das ihr sucht, liegt nicht weit ab;

es liegt in jedem gewöhnlichen Stein

Ich bin da, wenn ihr nur sehen wolltet.

Ich bin der Helfer, wenn ihr euch helfen laßt.” 23

Am 28. Dezember 1925 begann einer der jährlichen Kongresse des “Star”-Ordens in Ommen/Holland. Hier, bei der Versammlung der verschiedenen Landesvertreter, sprach er: “Ihr habt von der Quelle der Weisheit und Erkenntnis getrunken. Die Erinnerung an den 28. sollte Euch so viel gelten, als ob Ihr ein kostbares Juwel zu hüten habt.” 24

Was war geschehen? Am Eröffnungstag des Kongresses, eben am 28. Dezember, hatte Krishnamurti (übersetzt: Krishnaförmige) eine Ansprache gehalten, die im nachhinein als die erste Offenbarung des Weltlehrers galt. Der Kongreß hatte im voraus auf der ganzen Welt Aufsehen erregt. So brachten unter anderem die folgenden Zeitungen bereits Artikel über die Ankunft der Delegierten: New York Herald, New York Times, Times of India. Der Daily Mail kommentierte die Geschehnisse ausführlich. Krishnamurti sprach in dieser Eröffnungsansprache vom kommenden Weltlehrer:

“Er kommt nur zu denen, die es wünschen, begehren, Sehnsucht danach haben ...” 25 Weiter sprach er davon, dass Krishnamurti (bis hierhin sprach er von sich stets in der dritten Person) jetzt in jenes Leben eingetreten sei, das von einigen als das des Christus gesehen werde, das des von anderen als Buddha, von anderen als das des Lord Maitreya. Mary Lutyens schreibt darüber: “Diejenigen, die den Wechsel zur ersten Peron und die Veränderung im Klang der Stimme bemerkten, durchzuckte es wie ein Schlag.” 26

Krishnamurti weiter: “... ich komme zu denjenigen, die Mitleiden brauchen, die Glück brauchen, die sich danach sehnen, erlöst zu werden, die sich nach Glück in allen Dingen sehnen. Ich komme, um zu reformieren, nicht um niederzureißen, ich komme nicht, um zu zerstören, sondern um aufzubauen.” 27

Im Januar 1927 beschloß er eine Rede mit den Worten:

“I am the Truth,

I am the Law,

I am the Refuge,

I am the Guide,

The Companion and the Beloved.” 28

(Deutsch: Ich bin die Wahrheit. Ich bin das Gesetz. Ich bin die Zuflucht. Ich bin der Führer, der Begleiter und der Geliebte).

Im Juni des Jahres 1927 sollte der “Order of the Star in the East” in “Order of the Star” umbenannt werden. Folgende Ziele sollten von nun an gelten:

“1. Alle diejenigen zu vereinigen, die daran glaubten, dass der Weltlehrer in der Welt erschienen sei, und 2. auf jede Weise für Ihn zu arbeiten, um Sein Ideal von Humanität zu verwirklichen. Der Orden hat keine Dogmen, Glaubenslehren oder -systeme. Seine Inspirationen bezieht der Orden von seinem Lehrer. Zweck des Ordens ist es, seinem allgemein gültigen Leben Gestalt zu geben.” 29

Eine Folge dieser Äußerungen war es nun allerdings, dass sich eine Kluft zwischen der Esoterischen Sektion der Theosophischen Gesellschaft und dem “Order of the Star” auftat. Krishnamurti erhielt auch Briefe von Mitgliedern, die mit seinen Reden der letzten Zeit unzufrieden waren, so zum Beispiel von einer gewissen Lady De La Warr. 30 Es entstand das Problem, dass man nun mit den bisherigen Inspiratoren der Theosophischen Gesellschaft, den “Meistern”, nichts mehr anzufangen wußte, da ja nun der direkte Weg zur Wahrheit nicht mehr über diese, sondern nur noch durch Krishnamurti bzw. den “Christus-Buddha-Maitreya” führte. Somit entstand eine erhebliche Verwirrung unter den Mitgliedern.

 

Die Auflösung des Star-Ordens

Dennoch kam es für viele – wenn auch nicht für alle – überraschend, was sich nach einigen weiteren schwierigen Entwicklungen im Ommener Lager in Holland am 2. August 1929 zutrug. Obwohl deutlich wird, dass in Krishnamurti Veränderungen vor sich gingen, er sich zunehmend dem Einflusse Frau Besants entzog, überraschte der konsequente Schritt, den er nun vollzog, praktisch alle Teilnehmer.

Am 27. Mai 1929 hatte er noch folgendes gesagt: “Ich sage es jetzt – und sage es ohne Eitelkeit – mit vollem Bewußtsein und mit ganzem Verstand und Herzen, dass ich jene volle Flamme bin, die die höchste Blüte des Lebens ist, zu der alle menschlichen Wesen gelangen müssen.” 31

Allerdings hielt sich auch hartnäckig das Gerücht, dass der “Star-Orden” bald aufgelöst werden solle. Welche Vorgänge Jiddu Krishnamurti letztlich dazu bewogen haben, eine solche Rede zu halten, wie ich sie nachstehend ausführlich zitiere, wird sein Geheimnis bleiben. Die schlechtesten Geister werden es nicht gewesen sein, die ihn dazu inspiriert haben mögen:

“Heute Morgen wollen wir über die Auflösung des Star-Ordens sprechen. Viele von Ihnen werden froh darüber sein, andere wieder betrübt. Diese Auflösung ist weder ein Grund zur Freude noch zur Trauer, sondern einfach unumgänglich, wie ich Ihnen jetzt erklären möchte ...

Meiner Meinung nach ist die Wahrheit ein wegloses Land, zu dem Sie auf keinerlei Weg gelangen können, auch nicht über irgendeine Religion oder Sekte. Das ist mein Standpunkt, den ich absolut und unbedingt beibehalte. Die Wahrheit, die weder Grenzen noch Bedingungen kennt und zu der kein Weg führt, ist nicht organisierbar und es sollten auch keine Organisationen gebildet werden, um die Menschen auf einen bestimmten Weg zu leiten oder zu zwingen. Erst wenn Sie das verstanden haben, werden Sie einsehen, wie unmöglich es ist, Glauben zu organisieren. Ein Glaube ist eine rein individuelle Angelegenheit, die Sie weder organisieren können noch dürfen. Wenn Sie das dennoch tun, erstarrt der Glaube und stirbt ab, wird zu einem Bekenntnis, einer Sekte, einer Religion, die anderen Menschen aufgezwungen wird.

Und gerade das ist es, was überall auf der Welt versucht wird. Die Wahrheit wird herabgezogen, um als Spielzeug zu dienen für Schwächlinge und im Augenblick Unzufriedene. Die Wahrheit ist aber nicht herabziehbar, im Gegenteil muß jeder einzelne Mensch die Anstrengungen unternehmen, zu ihr aufzusteigen. Ein Bergesgipfel kann nicht zu Tal gebracht werden ...

Das ist also der erste Grund, warum aus meiner Sicht der Star-Orden aufgelöst werden sollte. Trotzdem werden Sie wahrscheinlich wieder andere Orden bilden, werden Sie weiterhin anderen Organisationen angehören und die Wahrheit suchen. Ich selbst möchte keiner Organisation geistiger Art angehören; bitte verstehen Sie das ...

Eine Organisation, die man zu einem solchen Zweck gründet, wird zur Krücke, Schwäche, Fessel, muß den einzelnen Menschen zum Krüppel machen, ihn am Wachstum hindern, an der Entfaltung seiner Einmaligkeit, die eben darin liegt, dass er die absolute unbedingte Wahrheit selbst für sich entdeckt. Das ist der zweite Grund, warum ich als zufälliges Haupt dieses Ordens entschlossen bin, den Orden aufzulösen.

Das ist keine großartige Tat, denn ich wünsche keine Anhänger und meine es wirklich so. Sowie sie einem anderen nachfolgen, hören sie auf, der Wahrheit zu folgen. Ich kümmere mich nicht darum, ob Sie mir jetzt zuhören. Ich will etwas Bestimmtes tun auf der Welt, und ich werde es tun mit unbeirrbarer Konzentration. Ich kümmere mich nur um ein wesentliches Ziel: die Menschen zu befreien. Mir verlangt danach, sie aus allen Käfigen, von allen Ängsten zu befreien, aber nicht danach, Religionen oder neue Sekten zu gründen, oder neue Theorien oder Philosophien einzuführen. Nun werden Sie mich natürlich fragen, warum ich die ganze Welt bereise und dauernd rede. Ich sage Ihnen, warum ich das tue, nicht weil ich eine Anhängerschaft erstrebe oder mir eine Schar eigener Jünger wünsche. (Jeder Mensch möchte sich ja zu gerne irgendwie von seinen Mitmenschen unterscheiden, wie lächerlich, töricht und gewöhnlich der Unterschied auch sei. Dergleichen Torheiten unterstütze ich nicht.) Ich habe keine Jünger, keine Apostel, weder auf der Erde noch im Reich des Geistes.

Es ist auch nicht das Verlangen nach Geld oder der Wunsch nach einem bequemen Leben, was mich anzieht. Wenn ich nur ein bequemes Leben haben wollte, würde ich nicht zu einem Lager kommen oder in einem feuchten Klima leben! Ich spreche all das offen aus, weil ich das alles ein für allemal abgetan haben möchte. Ich möchte nicht diese kindischen Diskussionen Jahr für Jahr.

Ein Zeitungsmann, der mich interviewte, fand es eine großartige Tat, eine Organisation von Tausenden und Abertausenden von Mitgliedern aufzulösen. Für ihn war es eine große Tat, denn er sagte: ‚Was werden Sie danach tun, wovon werden Sie leben? Sie haben keine Anhänger, die Menschen werden Ihnen nicht mehr zuhören.‘ Wenn mir auch nur fünf Menschen zuhören würden, die leben wollen, deren Blicke sich auf die Ewigkeit richten, würde mir das genügen. Was nützen einem Tausende, die nicht verstehen, die völlig in Vorurteilen befangen sind, die das Neue nicht wollen, sondern es sich lieber so übersetzen, dass es zu ihrem eigenen sterilen, stagnierenden Ich paßt? ...

Weil ich frei bin, ohne Vorbehalte, ganz, kein Teil, keine relative, sondern die ganze Wahrheit, die ewig ist, möchte ich, dass diejenigen, die mich zu verstehen versuchen, frei sein sollen und nicht mir anhängen, keinen Käfig aus mir machen, der zur Religion, zur Sekte wird. Nein, sie sollen frei sein von allen Ängsten – von der Angst vor Religionen, von der Angst vor Befreiung, der Angst vor Geistigkeit, der Angst vor Liebe, der Todesangst, der Angst vor dem Leben selbst. So wie ein Maler ein Bild malt, weil ihm das Malen Freude macht, weil er sich damit selbst ausdrückt, seinen Glanz, sein Wohlbefinden – aus denselben Gründen tue ich dies, und nicht, weil ich irgend etwas von irgend jemandem möchte. Sie sind an Autoritäten gewöhnt oder an eine autoritäre Atmosphäre, von der Sie meinen, dass sie Sie zu einem geistigen Leben führt. Sie meinen und hoffen, dass ein anderer Mensch durch seine außerordentlichen Kräfte – ein Wunder – Sie in dieses Reich der ewigen Freiheit bringen könne, das Glückseligkeit bedeutet. Ihre ganze Lebensanschauung beruht auf einer solchen Autorität.

Sie hören mich jetzt seit drei Jahren, ohne dass sich in Ihnen etwas verändert hat, außer in ganz wenigen. Nun analysieren Sie, was ich sage, seien Sie kritisch, damit Sie mich ganz und gar und im tiefsten Grunde verstehen ...

Seit achtzehn Jahren haben Sie hingelebt auf dieses Ereignis, auf das Kommen des Weltlehrers. Seit achtzehn Jahren haben Sie organisiert, nach einem Menschen Ausschau gehalten, der Ihrem Herzen und Geist neue Freude gäbe, der Ihr ganzes Leben umformte, Ihnen neues Verstehen schenkte, haben Sie Ausschau gehalten nach einem Menschen, der Sie auf eine höhere Lebensebene höbe, der Ihnen neuen Mut schenkte, Sie befreien würde – und nun schauen Sie was geschehen ist! Überlegen Sie, gehen Sie mit sich selbst zu Rate und entdecken Sie, auf welche Weise dieser Glaube Sie verändert hat – nicht durch den rein oberflächlichen Unterschied, dass Sie ein Abzeichen tragen, was eine triviale und törichte Sache ist. Hat dieser Glaube alle unwesentlichen Dinge Ihres Lebens fortgeschwemmt? Nur so darf geurteilt werden: Sind Sie freier, größer geworden, gefährlich für jede Gesellschaft, die auf dem Unechten und Unwesentlichen gegründet ist? Haben sich die Mitglieder der Organisation des Star verändert? ...

Sie alle sind in Ihrem geistigen Leben, Ihrem Glück, Ihrer Erleuchtung von anderen abhängig ... wenn ich Ihnen sage, schauen Sie in Ihr eigenes Innere, wenn Sie für sich selbst Erleuchtung suchen, Glanz, Reinigung, Unbestechlichkeit – nicht einer von Ihnen ist dazu gewillt. Vielleicht gibt es einige Menschen, doch sind es sehr wenige. Also, wozu eine Organisation? ...

Kein von außen kommender Mensch kann Sie befreien, kein organisierter Kultus, kein Opfertod für irgendeine Sache, keine Organisation, die Sie bilden, keine Arbeit, in die Sie sich stürzen, nichts dergleichen kann Sie befreien. Sie benutzen eine Schreibmaschine zum Briefeschreiben, doch stellen Sie sie nicht auf einen Altar und beten sie an. Das tun Sie aber, wenn Sie eine Organisation zu Ihrem Hauptanliegen machen. ‚Wie viele Mitglieder haben Sie?‘– Das ist die erste Frage aller Zeitungsleute an mich. ‚Wie viele Anhänger haben Sie? Aufgrund der Mitgliederzahl werden wir beurteilen, ob das, was Sie sagen, wahr ist.‘ Ich weiß nicht, wie viele es sind. Ich beschäftige mich nicht damit. Wenn es nur ein einziger Mensch wäre, und der wäre frei geworden, wäre das genug.

Auch haben Sie die Vorstellung, dass nur gewisse Menschen den Schlüssel zum Himmelreich der Glückseligkeit besitzen. Keiner hat ihn. Keiner hat das Vorrecht, diesen Schlüssel zu besitzen. Dieser Schlüssel befindet sich in Ihrem eigenen Inneren. In der Entwicklung, Reinigung und Unbestechlichkeit Ihres Inneren liegt allein das Himmelreich der Ewigkeit ...

Sie sind daran gewöhnt, dass Ihnen gesagt wird, wie weit Sie fortgeschritten sind, welchen geistigen Status Sie erlangt haben. Wie kindisch! Wer außer Ihnen selbst kann sagen, ob Sie unbestechlich sind? ...

Aber diejenigen, die wirklich verstehen wollen, die Ausschau halten und das Unvergängliche, das Anfang- und Endlose suchen, werden mit größerer Intensität zusammengehen und eine Gefahr werden für alles, was unwesentlich ist, für Unwirkliches, Geister. Und sie werden sich vereinigen, zur Flamme werden, weil sie verstehen. Eine solche Gemeinschaft müssen wir erschaffen, das ist mein Ziel. Bei einer solchen wahren Freundschaft – die Sie nicht zu kennen scheinen – hat jeder den Willen zur Zusammenarbeit. Nicht aufgrund einer Autorität, oder um errettet zu werden, sondern weil Sie wirklich verstehen und also im Unvergänglichen leben. Das ist größer als alle diesseitigen Freuden, als alle Opfer.

Das sind also einige Gründe, warum ich, nachdem ich es mir zwei Jahre lang genau überlegt habe, diese Entscheidung treffen mußte, die wahrhaftig keinem augenblicklichen Impuls entsprungen ist. Kein Mensch hat mich dazu überredet – in solchen Dingen kann man mich nicht überreden. Zwei Jahre lang habe ich es mir überlegt, bedächtig, gründlich, beharrlich, und jetzt habe ich mich dazu entschlossen, den Orden aufzulösen, da ich zufällig sein Haupt bin. Sie können andere Organisationen bilden und einen anderen erwarten. Damit habe ich nichts zu tun, auch nicht damit, neue Käfige, neue Dekorationen für solche Käfige zu schaffen. Mein einziges Anliegen ist es, die Menschen absolut und bedingungslos zu befreien.” 32

Jiddu Krishnamurti war zu diesem Zeitpunkt 34 Jahre alt. Der Krishnamurti, der danach bis zu seinem Lebensende auftrat, war ein ganz anderer. Dieses sollte nicht vergessen werden. Im weiteren war er ein Verkünder des “pfadlosen Weges zur Wahrheit”, und viele Menschen haben von ihm profitiert.

Als Anekdote wird erzählt, dass es vorkam, dass seine Zuhörer ihm zu viel Ehrerbietung in Form von Beifall zukommen ließen. Er sagte dann gelegentlich, man solle mit dem Klatschen aufhören. Man zeige damit nur, dass man noch nichts verstanden habe. 33

Rudolf Steiner hatte schon viel früher erkannt, dass der Versuch Annie Besants, aus Krishnamurti den großen Weltlehrer zu machen und diesen zu ihren Zwecken zu verwenden, mißglückt war. Bereits am 22. Januar 1917 sprach er über die Vorgänge – die er hier “Alcyone-Rummel” (Alcyone wurde Krishnamurti zunächst von Besant und Leadbeater genannt, bevor er in die Öffentlichkeit trat) nennt –, die folgenden Worte, nachdem er vorher das Unfehlbarkeitsdogma der katholischen Kirche als ein “außerordentlich stark wirksames okkultes Mittel, nämlich durch etwas im eminentesten Sinne Widerchristliches Glauben zu erwecken”, bezeichnet hat:

“Ebenso war es ein mächtiger okkulter Impuls, der nur mißglückt ist, der angestrebt wurde von Mrs. Besant, indem sie den Alcyone-Rummel veranstaltete. Hätte dieser Glaube an den verkörperten Jesus in Alcyone weiteren Glauben gefunden, so wäre das ein starker okkulter Impuls gewesen. Nun, Sie sehen, dass schon in der Verbreitung gewisser Begriffe, in der Verbreitung gewisser Vorstellungen starke okkulte Impulse liegen.” 34

 

 

Ehrfurcht und Verehrung gegenüber Personen?

Die Vorgänge um Jiddu Krishnamurti zeigen, in welchem Maße erwachsene Menschen bereit sind, sogenannten “Führern” Verehrung und Ehrfurcht entgegenzutragen. Dies ist ein weitverbreitetes Phänomen. In der Pädagogik ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Erwachsene sich so verhalten sollen, dass in den Kindern Ehrfurchtskräfte wachsen. Etwas überspitzt gesagt ist dies unter anderem deshalb notwendig, damit die Kinder, wenn sie einmal Erwachsene geworden sind, nicht im Erwachsenenalter ein Nachholbedürfnis entfalten. In der von Rudolf Steiner begründeten Geistesschulung geht es nie um die Entwicklung von Verehrung gegenüber Menschen. Wir lesen in “Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?” (GA 10):

“Es wird später die erst kindliche Verehrung gegenüber Menschen zur Verehrung gegenüber Wahrheit und Erkenntnis . [...] Wenn wir nicht das tiefgründige Gefühl in uns entwickeln, dass es etwas Höheres gibt, als wir sind, werden wir auch nicht in uns die Kraft finden, uns zu einem Höheren hinaufzuentwickeln. [...] Betont muß werden, dass es sich beim höheren Wissen nicht um Verehrung von Menschen, sondern um eine solche gegenüber Wahrheit und Erkenntnis handelt.” 35

Dieser Grundsatz erscheint mir so wichtig, dass ich ihn an dieser Stelle einfüge, um damit auf eine Betrachtung hinüberzulenken, die eine “Christuserscheinung” beschreibt, die sich noch bis in unsere Tage hineinzieht.

 

“Christus weilt jetzt unter uns”

Am Samstag, dem 24. April 1982, befand sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung eine ganzseitige Anzeige mit der Überschrift “Christus weilt jetzt unter uns”, unterzeichnet von einer Organisation “Tara-Center/USA”.

Ich zitiere aus dem Text der Anzeige:

“Unsere Welt hat genug Hunger, Unrecht und Krieg gesehen. Unser Hilferuf ist erhört worden ...

Christus weilt jetzt unter uns.

Wie aber werden wir ihn erkennen? Suchen Sie nach einem modernen Menschen, der sich mit unseren modernen politischen, ökonomischen und sozialen Problemen beschäftigt. Schon seit 1977 hat dieser Christus in einem uns allen bekannten, modernen Land als gewöhnlicher Mensch gewirkt. Hier ist er besonders als Fürsprecher für eine Gruppe oder Gemeinde in den Vordergrund getreten. Er ist kein religiöses Oberhaupt, sondern ein Erzieher im weitesten Sinne des Wortes, ein wahrer Erzieher der Welt, mit dessen Hilfe wir aus der gegenwärtigen Krisenlage geführt werden können. Er kann an seinem außergewöhnlichen geistigen Einfluß, an der Universalität seiner Ansichten und an seiner Liebe für die ganze Menschheit erkannt werden. Er kommt nicht, um zu richten, sondern um der Menschheit zu helfen und um sie zu inspirieren.

Wer ist dieser Christus? Gleichwie alle Christen die Wiedergeburt Christi erwarten, so erwarten die Juden ihren Messias, die Buddhisten ihren fünften Buddha , die Moslems ihren Mahdi und die Hindus ihren Krischna . Tatsächlich sind dies nur verschiedene Namen für dieselbe Person, Maitreya Christus, unser Erzieher dieser Welt. [...]

Wann werden wir ihn wahrnehmen? Bis jetzt hat er sich noch nicht zu erkennen gegeben. Jedoch innerhalb der kommenden zwei Monate wird er überall auf der Welt im Radio gehört und auf den Bildschirmen unserer Fernsehgeräte gesehen werden können. Ohne viel Aufsehen zu erregen, werden seine Worte in die Gedanken der ganzen Menschheit dringen. So werden wir sicher sein können, dass er wirklich unser Christus ist. Von jenem Zeitpunkt an werden wir mit seiner Hilfe eine neue Welt aufbauen.” 36

Ich möchte mich hier nicht mit den in der Anzeige erwähnten Endzeiterwartungen der verschiedenen Religionen auseinandersetzen. Zu diesem Thema ist ein kompetentes Werk von Hans-Diedrich Fuhlendorf erschienen. 37 – Betrachten wir zunächst einmal die Organisation, die hinter der Publikation dieser Anzeige steht. Ein in London lebender Kunstmaler namens Benjamin Creme bekennt sich als Initiator dieser Anzeigenaktion. In einem Telefongespräch mit der Redaktion des Materialdienstes der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen wird deutlich, dass Creme sich zwanzig Jahre lang durch die Lektüre der Werke der Begründerin der Theosophischen Gesellschaft, Helena Petrowna Blavatsky, geschult hat. Wir lesen weiter im Materialdienst:

“Heftig grenzt er sich von der ‚schwarzen Magie‘ eines Aleister Crowley ab. Man kann ihm persönlich abnehmen, dass er davon überzeugt ist, was er sagt. Er gibt auch Anschrift und Telefonnummer von Anhängern in Deutschland bekannt. Auf einen Anruf in München hin wird bekannt, dass sich dort seit Anfang dieses Jahres bereits zahlreiche Personen auf das Ereignis vorbereiten sollen. Weitere sog. ‚transmission groups‘ (‚Meditationsenergie-Gruppen‘) sind in Oberammergau, Augsburg, Frankfurt, Neu Isenburg, Darmstadt und Göttingen bekannt. [...]

Creme behauptet, mit der ‚Hierarchie der Meister der Weisheit‘ in telepathischem Kontakt zu stehen. Diese ‚Meister‘, so sagt er in dem ‚Esotera‘-Interview, ‚sind keine Götter. Es sind Menschen wie du und ich‘, die ‚sich selbst in einer langen Reihe verschiedener Leben vervollkommnet haben ..., bis sie einen Punkt in ihrer Evolution erreichten, der eine erneute Inkarnation auf Erden nicht mehr länger erforderlich machte. Einige unter ihnen entschieden sich jedoch dafür ..., uns, ihren jüngeren Brüdern, zu helfen‘. An ihrer Spitze stehe der ‚Weltlehrer‘, der ‚Meister der Meister‘. Seit 2600 Jahren werde diese Position von ‚Maitreya‘ eingenommen. Dieser habe vor 2000 Jahren in Palästina in Gestalt seines Schülers Jesus gewirkt. Alle Lehrer, wie Herkules, Hermes, Mithra, Rama, Krishna, Buddha oder Christus, hätten sich ‚auf demselben Weg vervollkommnet, auf dem nun auch wir fortschreiten‘. Dieser esoterische Prozeß sei als ‚Einweihung‘ bekannt und habe 5 Stufen. Alle großen Persönlichkeiten wie Pythagoras, Plato, Dante, Mozart, Franklin oder Lincoln, seien Eingeweihte gewesen. Er, Benjamin Creme, sei von einem ‚Meister der Weisheit‘ für das Hinaustragen der Botschaft unterrichtet worden, ‚dass Maitreya, der Christus, schon in diesem Augenblick im Alltag aktiv ist‘. Christus habe bei seiner Mission in Palästina vor 2000 Jahren ‚die göttliche Energie auf Erden verankert, die wir ‚Liebe‘ nennen'. Im Jahre 1959 habe er, Creme, ‚auf telepathischem Wege von Maitreya, dem Christus, persönlich zu hören‘ bekommen, ‚dass seine Wiederkunft Realität werden würde‘. Sein normaler Aufenthaltsort sei ein Tal im Transhimalaya. Seit dem 19. Juli 1977 sei er allerdings schon in dem Land, von wo aus er aktiv werden wird. Christus durchdringe die Welt nicht nur mit seinem Geist und seiner Energie, sondern werde für uns ‚physisch erscheinen – als ein normaler, einfacher Mann, ein Bruder unter Brüdern, aber mit einer außergewöhnlichen Gabe zu lieben‘. Seinen Entschluß vom Jahre 1945, auf diese Welt zurückzukehren, habe er von einer Reihe von Bedingungen abhängig gemacht: einem gewissen Maß von Frieden in der Welt, einer gewissen Manifestation des Willens zum Miteinanderteilen in der Menschheit und einer stärkeren Befreiung der Anhänger religiöser Organisationen von autoritären Zwängen – Aussagen, die auch in der Zeitungsannonce wiederkehren und letztlich den allgemeinen Zielen der theosophischen Bewegung entsprechen!” 38

Es scheint Benjamin Creme bekannt zu sein, dass es die Anschauung gibt, dass es eine physische Wiederkunft Christi nicht geben wird. Er stellt dar, dass die Entscheidung, dass Christus doch wiederkommen solle, im Jahre 1945 von Christus selbst getroffen worden sein soll:

“Die Seelenängste des Krieges und die Bedrängnis der ganzen Menschenfamilie veranlaßte Christus im Jahre 1945 zu einer großen Entscheidung – einer Entscheidung, die ihren Ausdruck in zwei überaus wichtigen Erklärungen fand. Damals verkündete Er der versammelten Geistigen Hierarchie und allen seinen Dienern und Jüngern auf der Erde, dass Er entschlossen sei, wieder in physischen Kontakt mit der Menschheit zu treten, sobald sie die ersten Schritte zur Gewinnung rechter menschlicher Beziehungen zustande gebracht haben würde. Gleichzeitig brachte Er der Welt eines der ältesten jemals bekannten Gebete zum Gebrauch für jedermann – aber es war eines, das bis dahin von niemandem gesprochen werden durfte als den höchsten geistigen Wesen. Wie es heißt, gebrauchte Er es selbst erstmalig zur Zeit des Juni-Vollmondes 1945 ...” 39

Benjamin Creme beruft sich desweiteren auf Alice Bailey (1880–1949), eine theosophische Schriftstellerin. Diese hatte in ihrem Buch “Die Wiederkunft Christi” den Zeitpunkt der Wiederkehr für die Jahrtausendwende vorhergesagt. Sie war Begründerin des “Lucis Trust” und der mit dieser Organisation verbundenen Nebengruppen. Außerdem gründete sie als geistigen Ableger der Theosophischen Gesellschaft die Arkan-Schule. Ihr Mann, Foster-Bailey, den sie im Jahre 1920 heiratete, war 1919 Generalsekretär der Adyar-Theosophischen Gesellschaft in den USA gewesen, also in der Zeit des Krishnamurti-Geschehens.

Nach der Spaltung der Adyar-Theosophischen Gesellschaft in den USA begründete sie im Jahre 1920 die Theosophical Association. Diese wird im Jahre 1923 in Arkan-Schule umbenannt. Diese Schule lehrte unter anderem, dass die menschlichen Geschicke von einer geistigen Hierarchie geleitet werden, die das herannahende neue Zeitalter vorbereiten.

Ich möchte Alice Bailey selbst zu Wort kommen lassen, damit ihre Vorstellungen über die nahende Wiederkunft Christi deutlich werden können. In dem erwähnten Buch mit dem Titel “Die Wiederkunft Christi” lesen wir wie folgt:

“Eine Wahrheit, die die orthodoxen Gläubigen aller Bekenntnisse hart ankommen wird, ist die Tatsache, dass Er nicht wiederkommen kann, weil Er allezeit hier auf Erden weilte und über das geistige Schicksal der Menschheit wachte; Er hat uns niemals verlassen, sondern leitete in einem physischen Körper und in geschützter Verborgenheit (nicht aber versteckt) die Angelegenheiten der geistigen Hierarchie, Seiner Jünger und Mithelfer, die sich zu gemeinsamem Dienst für die Erde verpflichtet haben. Er kann also nur wieder-erscheinen. Es ist eine spirituelle Tatsache, dass jene, die aus Grabesdunkel in die Fülle des auferstandenen Lebens hinübergingen, gesehen werden können und gleichzeitig der Sichtbarkeit ihrer Gläubigen entzogen sind. Sehen und erkennen sind zwei sehr verschiedene Dinge, und eine der großen menschlichen Erkenntnisse wird in naher Zukunft die sein, dass Er allezeit unter uns weilte, und dass Er die Nutznießung und die Besonderheiten der Zivilisation mit all ihren Errungenschaften mit uns teilte.

Die ersten Anzeichen für Sein und Seiner Jünger Nahen können schon jetzt von jenen wahrgenommen werden, die die Zeichen der Zeit bemerken und richtig deuten können. Ein solches Anzeichen ist zum Beispiel der geistige Zusammenschluß all derer, die ihre Mitmenschen lieben. Dieses Zu-einander-Finden ist in Wirklichkeit die Mobilisierung der irdischen Armee des Herrn der Welt, einer Armee, die keine anderen Waffen hat als die der Liebe, der rechten Rede und der rechten menschlichen Beziehungen. Unter den Nachwehen des Krieges hat diese unbekannte Organisation bewunderswert schnelle Fortschritte gemacht, weil die Menschheit des Hasses und der ewigen Zwistigkeiten wahrhaft überdrüssig ist.

Der Generalstab Christi ist bereits in Gestalt der Neuen Gruppe der Weltdiener wirksam tätig; sie bildet eine machtvolle Armee von Vorläufern, wie es immer der Fall war, bevor eine überragende Gestalt auf die Weltenbühne trat. Ihr Pionierwerk und Einfluß ist heute schon überall zu sehen und zu merken, und nichts kann ihre Errungenschaften zunichtemachen. Seit 1935 wurde ferner die geistige und organisierende Wirkung einer laut gesprochenen Invokation erprobt; die Energien dieses ‚Rufes zum Himmel‘ wurden in jene Kanäle geleitet, die von der Erde bis zu jener Hohen Stätte reichen, wo Christus weilt. Von dort aus werden diese Energien zu noch höheren Sphären weitergeleitet, von wo aus sich die Aufmerksamkeit des Herrn der Welt, des Alten der Tage, des Vaters aller sowie die schöpferischen Energien und großen Wesenheiten, die dort bei Ihm sind, auf die Menschheit konzentrieren und jene Schritte unternommen werden können, die schneller zur Verwirklichung der Absichten Gottes führen.” 40

Weiter lesen wir: “An diesem Aufbauwerk, das Christus im Auge hat, können wir tatkräftig mithelfen, wenn wir und alle, die wir erreichen können, uns mit folgenden Tatsachen vertraut machen:

1. dass die Wiederkunft Christi nahe bevorsteht.

2. dass wir durch Anerkennen Seines Erscheinens den in jedem Menschenherzen wohnenden Christus erwecken können.

3. dass in den hl. Schriften der Welt die Umstände Seiner Rückkehr nur symbolisch dargestellt sind; diese Tatsache kann die vorgefaßten Meinungen der Menschen ganz wesentlich ändern.

4. dass die wichtigste Vorbedingung Seines Kommens eine Welt des Friedens ist; dieser Frieden aber muß sich auf einem entwickelten Guten Willen gründen, der mit Notwendigkeit zu rechten menschlichen Beziehungen und daher auch – bildlich gesprochen – zur Errichtung von Lichtlinien zwischen Nationen, Religionen, Gruppen und von Mensch zu Mensch führen wird.” 41

Das Gebet, das eines der “ältesten jemals bekannten Gebete” sein soll, ist die sogenannte “Große Invokation”, die sich zum ersten Mal in dem Werk von Alice Bailey abgedruckt findet, aus dem ich eben zitiert habe. Eine Merkwürdigkeit liegt hier allerdings vor: Das Gebet, das die Wiederkunft Christi herbeischwören soll, kann nicht älter sein als das Mysterium von Golgatha zur Zeitenwende. Außerdem wird gesagt, dass Christus selbst im Jahre 1945 entschieden hätte, wieder auf der Erde in einem physischen Leibe zu erscheinen. Wieso es dann schon seit langer Zeit ein Gebet gegeben haben kann, das diese Wiederkunft zum Inhalt hat und sie herbeirufen möchte, bleibt recht unerklärlich. Der Text der “Großen Invokation” lautet wie folgt:

 

The great Invocation

From the point of Light within the Mind of God

Let light stream forth into the minds of men.

Let Light descend on Earth.

From the point of Love within the Heart of God

Let love stream forth into the hearts of men.

May Christ return to Earth.

From the centre where the Will of God is known

Let purpose guide the little wills of men –

The purpose which the Master knows and serves.

From the centre which we call the race of men

Let the Plan of Love and Light work out.

And may it seal the door where evil dwells.

Let Light and Love and Power restore the Plan on Earth.

 

Die große Invokation

Aus dem Quell des Lichts im Denken Gottes

ströme Licht herab ins Menschen-Denken.

Es werde Licht auf Erden!

Aus dem Quell der Liebe im Herzen Gottes

ströme Liebe aus in alle Menschenherzen.

Möge Christus wiederkommen auf Erden!

Aus dem Zentrum, wo der Wille Gottes thront,

lenke plan-beseelte Kraft die kleinen Menschenwillen

zu dem Endziel, dem der Meister wissend dient!

Durch das Zentrum, das wir Menschheit nennen,

entfalte sich der Plan der Liebe und des Lichtes

und siegle zu die Tür zum Übel.

Mögen Licht und Liebe und Kraft

den Plan auf Erden wieder herstellen!” 42

Diese “Große Invokation” wird von den Anhängern Baileys und Cremes immer wieder zu Zeiten, die eine spirituelle Bedeutung hätten, in großen Menschengruppen gemeinsam gesprochen. Sie dient diesen Menschen aber auch als Inhalt täglicher Meditation.

Am 16./17. August des Jahres 1987 soll sie von vielen tausend Menschen gesprochen worden sein, da diese Leute den Beginn des Wassermann-Zeitalters auf selbiges Datum legten. Der Beginn des Wassermann-Zeitalters ist auch in anthroposophischen Kreisen umstritten, allerdings nur für diejenigen, die sich noch nicht recht mit dem geisteswissenschaftlichen Studium, dem ersten Schritt zu geistiger Erkenntnis, angefreundet haben. Für Rudolf Steiner beginnt das Fische-Zeitalter im Jahre 1413, das Wassermann-Zeitalter 2160 Jahre später, also im Jahre 3573 n.Chr.

 

Was oder wer ist mit dem Namen “Maitreya-Buddha” gemeint?

Bereits bei der Beschreibung der Vorgänge um Krishnamurti wurde ein geistiger Titel immer wieder gebraucht: der “Lord Maitreya”. Es entsteht hier der offenbar beabsichtigte Eindruck, es handele sich bei Christus und dem Maitreya um eine Wesenheit. Die Anthroposophie bezieht hier eine andere Position.

Rudolf Steiner hat nicht häufig über den “Maitreya-Buddha” gesprochen. Aus diesen wenigen Ausführungen wird jedoch deutlich, dass es sich bei dem Maitreya-Buddha um eine höchst eigenständige Wesenheit handelt. Ich zitiere hier der Deutlichkeit halber ausführlich:

“Christus ist eine so gewaltige Wesenheit, dass sie selbst für das höchste hellseherische Bewußtsein unerfaßlich bleibt. Wie hoch sich der Initiierte auch erheben mag, er begreift nur einen geringen Teil von ihm. Wir, die wir 2000 Jahre nach ihm leben, stehen erst im Anfang des Christus-Begreifens. Eine höhere Erkenntnis seines Wesens ist der Menschheit der Zukunft vorbehalten, wenn intimere Willensimpulse in ihr wachgerufen sein werden. Unsere ganze vorangehende Evolution war nur eine Vorbereitung zur Aufnahme des Christus-Prinzips, und weniger hohe Vorläufer hatten die Aufgabe, dieses Reifen der Menschenseelen zu leiten. Ebenso werden Nachfolger immer höhere Ideen und Gefühle den Menschenseelen einprägen und sie immer geeigneter machen, die göttliche Kraftin sich walten zu lassen. Jene hohen Leiter und Lehrer, welche ihre geistige Kraft im Dienste der Menschheit opfern und unsere Seelen erschließen, nennt man im Orient Bodhisattvas. Es sind Wesenheiten, erfüllt von Weisheit, und ihre Mission ist, Weisheit auszuströmen. Aus ihrer Reihe soll hervorgehoben werden derjenige, der 500 bis 600 Jahre vor Jesus lebte: Gautama Buddha, der große Buddha.

Um uns ein richtiges Bild von ihm zu machen, müssen wir an seine früheren Inkarnationen denken, in denen er als Bodhisattva auf Erden tätig war, wie deren viele im Laufe der Jahrtausende ins Leben der Menschheit eingegriffen haben und die etwas wie einen Chor bilden, dessen Glieder ein jedes seine bestimmte Mission hat, je nach dem Reifezustande der Menschheit.

Erst während seiner Inkarnation als indischer Königssohn Siddharta erhob er sich zur Stufe eines Buddha. Seine Mission war, die Lehre vom Mitleid und von der Liebe vorzubereiten. Man könnte einwenden, Christus habe dies getan – nein. Christus lehrte sie nicht nur; er flößte die Liebe und das Mitleid selbst in die Herzen der Menschheit ein.

Zwischen Buddhas Lehre und Christi Kraft ist ein Unterschied wie zwischen einem Kunstkenner vor einem Bilde Raffaels und Raffael selber. Darin besteht gerade der große Irrtum vieler, dass sie in Buddha den höchsten aller Geister in Menschengestalt sehen. Sie wissen nicht, dass derjenige, der 600 Jahre nach ihm sich in Jesus von Nazareth inkarnierte, die Inkarnation des Logos selber war. Buddha hatte den Impuls des Mitleidens und der Liebe vorzubereiten. Er bereitete die Seelen vor für das, was Christus bringen sollte. Im großen betrachtet ist sein Vorbereitungswerk das bedeutsamste, das je geleistet worden ist. Zum besseren Verständnis seiner Persönlichkeit müssen wir uns den Unterschied klarmachen zwischen einem Bodhisattva und einem Buddha. Nehmen wir unser hellsichtiges Auge zu Hilfe, so sehen wir, dass ein Bodhisattva ein menschliches Wesen ist, welches beständig mit der geistigen Welt verbunden ist und nicht ganz in der physischen Welt lebt. Seine Wesenheit ist gleichsam zu groß, um in einem menschlichen Körper Platz zu finden, nur ein Teil reicht bis in die irdische Hülle herab, der größere Teil bleibt in den höheren Welten. Der Bodhisattva ist infolgedessen stets im Zustande der Inspiration.

Als solch ein Wesen wurde Gautama Buddha geboren. Im neunundzwanzigsten Jahre erst wurde seine Erdenpersönlichkeit so stark, dass sie den höheren Teil in sich aufnehmen konnte. Der Legende nach ließ er sich auf seiner Wanderung unter einem Feigenbaum nieder und erhielt die Erleuchtung, die ihn zum Buddha machte. Er stieg auf zu einer höheren Würde, gemäß der Rangfolge, wie sie in der geistigen Welt herrscht. Ein anderer rückte gleichzeitig auf und nahm den von ihm verlassenen Platz ein. Sein Nachfolger in der Bodhisattvawürde waltet nun seines Amtes, bis er selbst die Buddhareife erlangt haben wird. Noch 3000 Jahre werden vergehen, dann wird er als Maitreya-Buddha sich unter den Menschen inkarnieren.” 43

Und über die zukünftige Aufgabe des Maitreya-Buddha spricht Rudolf Steiner an anderer Stelle die folgenden Worte:

“Die Bodhisattva-Inkarnationen, die jene des künftigen Maitreya-Buddha sind, treten in unbekannten Menschen auf. Diese wirken als einzelne Menschen und durch ihre eigene Kraft. Es wird der Maitreya-Buddha auch wirken durch die eigene Kraft und entgegen der Meinung der tonangebenden Menschen. Unbekannt bleibt er in der Jugend. Und wenn er im dreißigsten Jahr hinopfern wird seine Individualität, dann wird er so auftreten, dass in seinen Worten moralisch wirken wird, was er sagt. Fünftausend Jahre, nachdem der Buddha unter dem Bodhibaume erleuchtet ward, wird auch sein Nachfolger zur Buddha-Würde aufsteigen und wird sein der Bringer des moralisch wirkenden Wortes. Jetzt sprechen wir: ‚Im Urbeginn war das Wort‘. Dann werden wir sagen dürfen: In dem Maitreya-Buddha ist uns der größte Lehrer gegeben, der da erschienen ist, um den Menschen das Christus-Ereignis in seinem vollen Umfang deutlich zu machen. – Das Eigentümliche an ihm wird sein, dass er, als der größte Lehrer, das erhabenste Wort bringen wird, das höchste Wort.” 44

Diese Ausführungen hielt Rudolf Steiner zu der Zeit, als die Geschehnisse um Jiddu Krishnamurti in vollem Gange waren. Er hatte also auch äußere Gründe, diese geistigen Zusammenhänge deutlich zu charakterisieren. Ich möchte die Ausführungen Rudolf Steiners hier nicht weiter kommentieren, beleuchten sie doch die Darstellungen zum Beispiel eines Benjamin Creme auf das deutlichste.

In der Zeitschrift Share , die von dem hinter den Vorgängen um Benjamin Creme stehenden Tara-Center herausgegeben wird, findet man unter der Überschrift “Wer ist der Maitreya?” die folgenden Erklärungen:

“Große Lehrer erscheinen in jeder neuen Zeit. Rama, Krishna, der Buddha und Mohammed sind einige dieser Lehrer oder Meister. Immer wieder und wieder, wenn die Zeit dazu reif geworden ist, erscheinen sie aufs neue, um uns den rechten Weg zu weisen. Sie sind die Führer einer Gruppe erleuchteter und vollkommener Menschen, die wir als die spirituelle Hierarchie der Meister der Weisheit kennen. An der Spitze dieser Gruppe steht der Meister der Meister, der Weltlehrer. In den letzten 2600 Jahren hatte der Maitreya diesen Rang inne. Er war es, der vor 2000 Jahren durch seinen Schüler Jesus in Palästina hindurchwirkte. Er ist derjenige, den die Christen seit langer Zeit erwarten.

Zur selben Zeit erwarten die Juden ihren Messias; die Muslims den Imam Mahdi; die Buddhisten warten auf ihren fünften Buddha; die Hindus auf die neue Inkarnation von Krishna.

In Wahrheit haben sie alle dieselbe Individualität im Bewußtsein: Maitreya, den Christus, den Weltlehrer, den neuen Buddha.

All diese Erwartungen haben sich jetzt erfüllt: Seit Juli 1977 ist Maitreya persönlich unter uns, um die Humanität (die Sache der Menschen; der Übers.) in eine neue Ära des Friedens hinüberzuleiten.” 45

Vom Boden der Geisteswissenschaft erweisen sich diese Aussagen als undifferenziert und falsch. Sie führen daher Menschen, die an die Worte Benjamin Cremes glauben, an dem spirituellen Weg vorbei, der in der heutigen Zeit so bitter nötig ist. – Die Geschehnisse um Cremes “Maitreya-Christus” dauern bis heute an.

 

Wie erscheint der Christus den Menschen?

Die Anthroposophie verkündet keine physische Wiederkunft Christi. Sie verweist auf die Wiedererscheinung Christi im Ätherischen. Darauf haben wir bereits hingewiesen. Die Geisteswissenschaft betont, dass die Anschauung, dass Christus im physischen Leibe wiedererscheint, die Menschen daran hindert, diejenigen spirituellen Kräfte zu entfalten, die zur Wahrnehmung der ätherischen Christuserscheinung notwendig sind.

Die Anschauungen Benjamin Cremes leisten eher dem Erscheinen antichristlicher Impulse Vorschub, von denen zu Beginn dieser Arbeit die Bibel spricht. Auch Rudolf Steiner hat immer wieder auf solche antichristlichen Kräfte hingewiesen. 46 Ein Beispiel, das in diesen Zusammenhang paßt, sei hier angeführt:

“Es wird eine Zeit kommen, wo man die Sache so auffassen wird, dass man den mächtigsten, den bedeutendsten dieser luziferischen Geister, der sozusagen die Menschen über sich selbst hinausführen wird wollen, auf den Schild erheben und für einen großen Menschenführer ansehen wird. Sprechen wird man: Ach, dasjenige, was der Christus hat geben können, war im Grunde genommen nur ein Durchgangspunkt! Jetzt schon gibt es Menschen, die so reden: Ach was sind eigentlich die Lehren der Evangelien! Wir sind schon über sie hinausgewachsen. – Wie gesagt, einen umfassenden, genialen Geist, einen hervorragenden Geist wird man aufzeigen, der Besitz ergreifen wird von einer menschlichen fleischlichen Natur, die er durchsetzt mit seiner Genialität. Man wird sagen: Der übertrifft ja den Christus, denn der Christus war im Grunde genommen nichts als der, welcher Gelegenheit gegeben hat, das vierte Prinzip auszubilden; jener aber gibt Gelegenheit, es während der Erdenentwickelung bis zum siebenten Prinzip zu bringen!

So werden der Christus-Geist und der Geist dieser Wesenheit einander gegenüberstehen: der Christus-Geist, von dem die Menschen werden hoffen können, den mächtigen makrokosmischen Impuls ihres vierten Prinzips zu erhalten, und der luziferische Geist, der in einer gewissen Beziehung sie darüber hinausführen wird wollen.

Wenn die Menschen dabei bleiben und sich sagen können: Wir müssen von den luziferischen Geistern nur dasjenige erlangen, zu dem wir so hinaufblicken, wie wir zu unserer niederen Natur hinunterblicken – so würden die Menschen recht tun. Indem aber die Menschen dazu kommen werden zu sagen: Seht, der Christus gibt nur das vierte Prinzip, da sind aber die Geister, die das sechste und siebente geben – da werden die Menschen, die dem Christus gegenüber so denken, anbeten und auf den Schild heben den Antichrist.” 47

 

Rudolf Hess, der Christus des Wassermann-Zeitalters?

Auch in rechtsradikalen Kreisen müssen wir in den letzten Jahren eine Tendenz zu spirituellen Begriffen konstatieren. Auf einer in diesen Kreisen seit einiger Zeit zirkulierenden Ton-Kassette, die eine Gedenkrede auf den verstorbenen Rudolf Hess beinhaltet, finden sich folgende Ausführungen, die wir hier nicht kommentieren wollen. Im FLENSBURGER HEFT Nr.32, “Anthroposophen und Nationalsozialismus”, habe ich auf diese Kassette bereits hingewiesen. 48 Hier nun ein längerer Auszug dieser Gedenkrede, die so außergewöhnlich ist, dass sie in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben soll:

“Er (R. Hess, A.W.) ist unbeirrbar seinen steinigen, dornenübersäten Weg bis zum bitteren Ende gegangen. Er hat sich nun zu den elf von Nürnberg als zwölfter zugesellt und damit das kabbalistische Soll erfüllt. [...]

Wir wissen aber auch, dass es in jeder neuaufsteigenden Zeit immer wieder Menschen gab, auf die sich das gestaltende Wollen dieser neuen Zeit wie in einem Brennglas konzentrierte. Jene Epoche, die jetzt im Weltenlauf in die Vergangenheit zurücksinkt, hat jene Gestalt, wie man auch religiös zu ihr stehen mag, eines Christus geprägt. Und so fragen wir nun: Hat auch die Zeit, an deren Neubeginn wir jetzt stehen und in die wir bereits hinüberwechseln, unsere Zeit, auch ihren ‚Christus‘? Hat es uns nicht geradezu in all den letzten Jahren gezwungen, unseren Blick hier immer nach Spandau zu richten? Und ist es nicht eigenartig, dass Rudolf Hess gerade an jenem Tag verstarb, an dem, nach dem Wissen der Maya, dem wohl ältesten Kulturvolk auf dieser unserer Erde, mit dem Sonnenaufgang ein neues Zeitalter beginnt?

Ein uralter Kalender der Maya besagt, dass am 16. und 17. August des Jahres 1987 unserer Zeitrechnung die neun Götter der Unterwelt abtreten und die 13 Götter des Himmels die Herrschaft antreten. An diesen Tagen haben sich 144.000 geistig bewegte Menschen überall auf der Welt bei Sonnenaufgang zusammengefunden, auf vielen geheiligten Schlüsselplätzen der Erde, um die aufgehende Sonne zu begrüßen und die ab nun verstärkten kosmischen Strahlungen zu empfangen. Am Nachmittag, als sich die Sonne wieder zum Untergang rüstete, verlöschte auch das Leben von Rudolf Hess.

Ich selbst konnte noch folgendes rekapitulieren: Als ich am Abend aus dem Rundfunk die Nachricht vom Tode des Rudolf Hess erfuhr, in seiner Todesstunde, wie sie angegeben wurde, saß ich in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch, als hinter mir, mich erschreckend, vom vierten Bord meiner Bücherwand, ein 20 mal 28 Zentimeter großes Bild, das seit vielen Monaten dort steht, polternd zu Boden fiel. Es war das Bild des Königsknaben Konradin, des letzten Staufers, der ausgezogen war, als letzter seines Geschlechts das Reich zu retten, und ebenfalls zum Bauopfer wurde. Der Gedanke durchzuckte mich später, ob es nicht möglich sei, dass Rudolf Hess vielleicht sogar eine Inkarnation von Konradin war? [...]

Er gab sein Volk und sich selbst nicht dem Verrat preis. [...] Seine Gegner haben sich durch ihn längst ein Denkmal der Schande gesetzt. Durch ihn aber wird unser Volk leben. Er ist ausersehen, uns und die suchende Menschheit durch das zu geleiten in eine Zukunft, die wir ersehnen und um die wir uns nicht zu sorgen brauchen. Diese Zukunft ist kosmisches Gesetz, und ihm ist es übertragen, uns über die Schwelle der großen Wende in die neue Zeit hinüberzutragen. Auch was Rudolf Hess in Spandau verbrachte, ist kosmisches Geschehen. Durch ihn erfüllt sich einmal das Schicksal des deutschen Volkes. Man hat ihn getötet, aber das, gerade das, verfälscht nicht den Lauf der Dinge. [...] Sprechen wir den Namen Rudolf Hess hinfort nur noch in Ehrfurcht und Andacht aus, und tun wir das Unsre, damit wir uns dieses großen Mannes würdig erweisen. Begleiten wir ihn in die neue Zeit. Wir wissen: Kein Opfer ist verloren oder umsonst. Der ewige Lebensgrund bewahrt es treu.” 49

Ein eventuelles Lachen über den Inhalt sollte uns angesichts der derzeitigen politischen Situation in der Bundesrepublik Deutschland im Halse steckenbleiben! Auch in diesem Text wird als Beginn des “Neuen Zeitalters” der 16./17. August 1987 genannt.

Mit ein wenig Sensibilität kann man hier einen Kampf um die notwendigen spirituellen Vertiefungen wahrnehmen, der in unserer Zeit ausgetragen wird. Auch wer sich vielleicht innerlich belustigt, zurücklehnt und diese Dinge nicht ernstzunehmen imstande ist, wird zu diesem Kampf nichts Entscheidendes beizutragen haben. Das Wahrnehmen dieser Vorgänge kann durchaus ein innerer Schritt sein. Autoritätsgläubigkeit oder das Sich-Verlassen auf andere wird keines der heute herrschenden Probleme lösen können. Wer sich bemüht, zumindest diese Vorgänge wahrzunehmen, der beginnt, die Ausmaße dieses Kampfes zu ahnen, die ihm vorher ganz “okkult” waren. Es darf aber nicht vergessen werden, dass es hier um eine Auseinandersetzung geht, die jene Kräfte betreffen, welche der Welt nottun. Von Benjamin Creme oder auch von Rudolf hess haben wir hier sicher nichts Gutes zu erwarten.

Ich verweise zum Abschluß dieser Arbeit, die in keiner Weise eine Vollständigkeit vorgaukeln möchte, nochmals darauf, wie notwendig es ist, die Kräfte zu erwerben, die zum Wahrnehmen der Erscheinung Christi im Ätherischen vonnöten sind. 50 Die Fähigkeit zur Erkenntnis dieser Christuserscheinung haben wir bereits betont. Es ist gewissermaßen viel wichtiger, auf das Erwerben dieser Kräfte hinzuweisen als darauf, zu welchem Zeitpunkt die Erscheinung eintreten wird.

Vertiefen wir uns zum Schluß in die Darstellung einer Form dieser Christuserscheinung, wie sie von Rudolf Steiner mitgeteilt wurde:

“... dass eine gewisse Anzahl von Menschen den Äther-Christus sehen wird, das Ereignis von Damaskus haben wird, ist wahr. Aber es wird sich darum handeln, dass die Menschen lernen, den Moment zu betrachten, wo der Christus an sie herantritt. Es werden nur wenige Jahrzehnte vergehen, und für die Menschen, besonders der jugendlichen Jahre, wird der Fall eintreten – jetzt schon überall bereitet es sich vor –: Irgendein Mensch kommt da oder dorthin, dieses oder jenes erlebt er. Wenn er nur wirklich das Auge durch Beschäftigung mit der Anthroposophie geschärft hätte, könnte er schon bemerken, dass plötzlich um ihn irgend jemand ist, kommt, um zu helfen, ihn auf dieses oder jenes aufmerksam zu machen: dass ihm der Christus gegenübertritt – er aber glaubt, irgendein physischer Mensch sei da. Aber daran wird er merken, dass es ein übersinnliches Wesen ist, dass es sogleich verschwindet. Gar mancher wird erleben, wenn er gedrückten Herzen, leidbelastet, still in seinem Zimmer sitzt und nicht aus noch ein weiß, dass die Tür geöffnet wird: Der ätherische Christus wird erscheinen und wird Trostesworte zu ihm sprechen. Ein lebendiger Trostbringer wird der Christus für die Menschen werden! Mag es auch heute noch grotesk erscheinen, aber wahr ist es doch, dass manchmal, wenn die Menschen zusammensitzen, nicht ein noch aus wissen, und auch wenn größere Menschenmengen zusammensitzen und warten: dass sie dann den ätherischen Christus sehen werden! Da wird er selber sein, wird beratschlagen, wird sein Wort auch in Versammlungen hineinwerfen. Diesen Zeiten gehen wir durchaus entgegen. Das ist das Positive, dasjenige, was als positives aufbauendes Element in die Menschheitsentwickelung eingreifen wird.” 51

 

Anmerkungen:

1. Matthäusevangelium 24,3–42. Die Bibel oder Die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach dem 1912 vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text. Stuttgart 1964.

2. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.02.1986.

3. Mary Lutyens: Krishnamurti. München 1981.

4. ebd., S.63.

5. ebd., S.64.

6. Zit. nach: Eugène Lévy: Mrs. Annie Besant und die Krisis in der Theosophischen Gesellschaft. Berlin 1913, S.90.

7. ebd., S.91.

8. ebd., S.91 f.

9. ebd., S.94.

10. ebd.

11. ebd., S.97.

12. Alexander Strakosch: Lebenswege mit Rudolf Steiner. Strasbourg/Zürich 1947, S.101.

13. Rudolf Steiner: Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt. GA 118, Dornach 2 1977, 18.04.1910, S.156 f.

14. ebd., 06.03.1910, S.125.

15. Arfst Wagner: Anthroposophen und Nationalsozialismus – Probleme der Vergangenheit und Gegenwart (Teil I), in: FLENSBURGER HEFTE Nr.32: Anthroposophen und Nationalsozialismus. Flensburg 1991, S.68; sowie ebd.: Christoph Lindenberg: Hitler stieß in das Vakuum, S.140.

16. Rudolf Steiner: Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt. A.a.O., 25.01.1910, S.25.

17. ebd., 10.05.1910, S.157 f.

18. Rudolf Steiner: Die okkulte Bewegung im 19. Jahrhundert. GA 254, Dornach 3 1969, 17.10. 1915, S.74 f.

19. Lutyens: a.a.O., S.249 f.

20. Aus: The Hindu (Benares?), 04.04.1913, S.9.

21. The Link, in: The Hindu, 27.03.1913.

22. The Link, August 1912, in: The Hindu, 27.03.1913.

23. Lutyens: a.a.O., S.230.

24. ebd., S.263.

25. ebd.

26. ebd.

27. ebd.

28. R. Landau: God is my Adventure. London 1935, S.104.

29. Lutyens: a.a.O., S.287.

30. ebd., S.293.

31. ebd., S.316.

32. ebd., S.317 ff.

33. Zwei Werke aus den letzten Lebensjahren Jiddu Krishnamurtis: Jenseits der Gewalt. Frankfurt/M. 1979. Und: Einbruch in die Freiheit. Frankfurt/M. 1979.

34. Rudolf Steiner: Zeitgeschichtliche Betrachtungen. Band II. GA 174, Dornach 2 1982, 22.01. 1917, S.232 f.

35. Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten? (GA 10) Berlin 1922, S.6 und S.8.

36. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.1982.

37. Hans-Diedrich Fuhlendorf: Rückkehr zum Paradies oder Erbauen des Neuen Jerusalem? Flensburg 1992.

38. Materialdienst der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen. Heft 6/1982, S.162 ff.

39. ebd.

40. Alice A. Bailey: Die Wiederkunft Christi. Lorch 1954.

41. ebd., S.61.

42. ebd., S.198 f.

43. Rudolf Steiner: Das Ereignis der Christus-Erscheinung in der ätherischen Welt. A.a.O., 13.04.1910, S.218 f.

44. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum und die geistige Führung der Menschheit. GA 130, Dornach 2 1977, 19.09.1911, S.40 f.

45. Aus: Share. Dezember 1981, S.1.

46. Siehe dazu: Hans-Werner Schroeder: Das Jahrhundertende und die Inkarnation Ahrimans. Und: Die Inkarnation Ahrimans und die Asuras. Und: Soradt und das Jahrhundertende. In: Rolf Tschanz (Hg.): Vom Christuswirken in der Gegenwart. Dornach 1991.

Auch: J.W. Ernst: Das Schicksal unserer Zivilisation und die kommende Kultur des 21. Jahrhunderts. Schaffhausen 2 1987.

47. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum. A.a.O., 09.01.1912, S.218.

48. Arfst Wagner: Anthroposophen und Nationalsozialismus. A.a.O., S.17.

49. Arfst Wagner: Ein Messias des Wassermann-Zeitalters? In: Wege zur Erarbeitung der Anthroposophie. Freiburg/Br. 1992, Heft 5/92, S.27 f.

50. Siehe dazu besonders die Ausführungen Rudolf Steiners über die von ihm so genannten drei okkulten Fähigkeiten. In: Rudolf Steiner: Die soziale Grundforderung unserer Zeit – In geänderter Zeitlage. GA 186, Dornach 2 1979, 01.12.1918; sowie FLENSBURGER HEFTE Nr.34, “Alte und neue Seelenfähigkeiten”, Flensburg 1991.

51. Rudolf Steiner: Das esoterische Christentum. A.a.O., 01.10.1911, S.94.

Vorstehender Artikel erschien zuerst in: Flensburger Hefte , Heft Nr. 39: "Christus". Flensburg 1992