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»Eine Antriebskraft, die nur moralisch sein kann«

über die Erfindungen John Worrell Keelys

von

Arfst Wagner

"Unsere jungen Männer fangen an, Visionen zu haben, und es wäre eine Torheit, die Visionen eines Crookes, eines Keely oder Tesla zu verachten." ... "Die Schlacht in der geistigen Region ist gewonnen worden, doch müssen einige Jahre vergehen, bevor ihre Wirkungen in der Welt sich deutlich zu zeigen beginnen. Doch sind zu rechter Zeit zwei Männer geboren worden und ein dritter wird in Bälde erschenen. John Worrell Keely in Amerika und Tolstoi in Russland sind die Pioniere einer dämmernden Ära, und beide werden das Schicksal von ein Jahrhundert zu früh geborenen Menschen teilen, nämlich üble Nachrede, Verfolgung und Misserfolge. " (C. G. Harrison: Das trancendentale Weltenall. 1897.)

Können Sie sich einen Motor vorstellen, der nicht durch Dampf, nicht durch Elektrizität, sondern durch Wellen bewegt wird, die der Mensch selbst -beispielsweise mit seiner Sprache - erregt? Der Gründer der Anthroposophie Rudolf Steiner machte 1916 seine Zuhörer auf den amerikanischen Erfinder John Worrell Keely aufmerksam, der genau dies im Sinn hatte:

»Denken Sie sich einen Motor, der so eingerichtet ist, dass er durch jene Wellen, die man erregt im Sprechen etwa, oder überhaupt als Mensch erregen kann mit seinem seelischen Leben, in Bewegung gesetzt wird. Es war noch ein Ideal, Gott sei Dank, dass es damals ein Ideal war, denn was wäre dieser Krieg geworden, wenn wirklich dieses Keelysche Ideal sich dazumal verwirklicht hätte! Verwirklicht sich das einmal, dann wird man erst sehen, was das Zusammenstimmen der Schwingungen in äußerer motorischer Kraft bedeutet.« (1)

Keely selbst, den Steiner auch als »Antipoden Tolstois« bezeichnete, charakterisierte das Prinzip seiner Erfindung so: »In dem Gedankengange keiner einzigen bisher entworfenen Maschine findet sich das Mittel zur Einführung eines neutralen Zentrums. Wäre das geschehen, so hätten die Schwierigkeiten für die Sucher nach dem Perpetuum mobile ihr Ende gefunden, und dieses Problem wäre eine begründete und wirksame Tatsache geworden. Es würde nach einer solchen Erfindung bloß des ersten Antriebes durch ein paar Pfundgewichte bedürfen, um die Maschine Jahrhunderte lang laufen zu machen. In der Vorstellung meiner Vibrationsmaschine strebte ich nicht nach der Erreichung der beständigen Bewegung; aber ein Kreislauf ist gebildet, der tatsächlich ein neutrales Zentrum hat, welches sich in dem Zustande befindet, um durch meinen vibratorischen Äther belebt zu werden, und, während es sich unter Einwirkung der genannten Substanz befindet, tatsächlich eine Maschine bildet, die virtuell von der Masse (oder dem Globus) unabhängig ist, und zwar ist es die wundervolle Geschwindigkeit des vibratorischen Umschwunges, der sie dazu befähigt. Trotzdem muss sie bei aller Vollkommenheit mit dem vibratorischen Äther gespeist werden, um sie zu einem unabhängigen Motor zu machen ... Alle Konstruktionen haben ein Fundament, dessen Stärke dem Gewichte der Masse entsprechen muss, das sie zu tragen haben, aber die Fundamente des Weltalls ruhen auf einem leeren Punkt, der viel kleiner ist als ein Molekül; tatsächlich, um diese Wahrheit richtig auszusprechen, auf einem interätherischen Punkte, er zu seiner Erfassung einen unendlichen Verstand erfordert. Hinabzublicken in die Tiefen eines ätherischen Zentrums, ist genau dasselbe, als wollte man in dem weiten Raume des himmlischen Äthers das Ende zu finden suchen, mit dem folgenden Unterschiede: das eine ist das positive Feld, das andere hingegen ist das negative Feld.« (2)

Die Rudolf Steiner Nachlassverwaltung hat in ihrer Reihe "Beiträge zur Rudolf Steiner-Gesamtausgabe" Pläne und Skizzen des » Strader-Apparates « veröffentlicht. (3) Diesen Apparat konstruierte Steiner für seine »Mysteriendramen«, in denen der Naturwissenschaftler » Strader « eine der Hauptrollen spielt - offensichtlich ein Versuch, die Keelyschen Intentionen aufzugreifen.

Welche Bedeutung Rudolf Steiner den Forschungen John Worrell Keelys zumaß, wird unter anderem auch aus den Ausführungen Steiners deutlich, die wir in einem Vortrag vom 2. Januar 1906 nachlesen:

»Vielleicht ist ihnen bekannt, dass Keely einen Motor konstruiert hat, der nur ging, wenn er dabei war. Er hat damit den Leuten nichts vorgemacht, denn er hatte in sich selbst jene treibende Kraft, die aus dem Seelischen hervorgeht und Mechanisches in Bewegung setzen kann. Eine Antriebskraft, die nur moralisch sein kann, das ist die Idee der Zukunft; die wichtigste Kraft, die der Kultur eingeimpft werden muss, wenn sie sich nicht selbst überschlagen soll. Das Mechanische ohne das Moralische werden sich durchdringen, weil dann das Mechanische ohne das Moralische nichts ist. Hart vor dieser Grenze stehen wir heute. Nicht bloß mit Wasser und Dampf, sondern mit spiritueller Kraft, mit spiritueller Moral werden in Zukunft die Maschinen getrieben werden.«4)

Keely erfand nach diversen Informationen auch andere hochinteressante Geräte: Eine seiner Maschinen produzierte etwa 29ooo PS, wenn Keely ihr 3 Tropfen Wasser zugab. Ein so genannter » Disintegration-Quarz « erzeugte Schock-Wellen, wenn er das Gerät, in dem sich dieser Quarz befand, mit Küchenabfall fütterte. Ein anderes Gerät, das inzwischen von der Firma Panasonic patentiert wurde, erzeugte Rotationen durch die Bündelung von Klangwellen. Der Erfinder Nikola Tesla entwickelte eines der Keely-Geräte weiter: aus Keelys sogenanntem »Verbund-Motor« entstand Teslas » Polyphone-Motor «. Außerdem erfand Keely eine Flugmaschine, die auf der Grundlage von akustischen Schwingungen Levitation zu erzeugen vermochte.

Die Erfindungen bzw. der Nachlaß Keelys trifft heute besonders in der USA auf reges Interesse. Im Internet findet man zahllose Einträge auf Seiten, die sich mit seinen Erfindungen auseinandersetzen. Dies kann nicht überraschen, wenn man weiß, dass Rudolf Steiner darauf hingewiesen hat, dass die zukünftige Fähigkeit, diese Technologie zu bedienen, besonders bei den Menschen des amerikanischen Kulturkreises auftreten wird.  Er nannte diese Fähigkeit die »mechanische okkulte Fähigkeit«5) .Besonders aktuell mag der Zusammenhang erscheinen, in den Rudolf Steiner die Ausbildung dieser Fähigkeit stellte: In den USA würde sie durch die so genannte »Kreuzzugsstimmung« besonders gefördert werden, so Steiner. 6)

Besonders zwei aktuelle Initiativen in den USA seien hier erwähnt: Der Amerikaner Dale Pond hat eine umfangreiche Homepage ins Web gestellt, auf der eine Unmenge von Informationen zu finden ist.7) Pond bietet Nachbauten verschiedener Geräte von Keely an, von denen er uns gegenüber behauptete, sie durch eine Methode, die er aus dem Zen-Buddhismus herausdestilliert habe, ein wenig in Bewegung setzen zu können.

Das KEELY-NET ist dagegen ein lockeres Netzwerk, dass Informationen über Keely interessierten Menschen kostenlos zur Verfügung stellt, die ihre Erfahrungen austauschen wollen. KEELY-Net und Dale Pond stehen in heftiger Konkurrenz. So behauptet KEELY-NET, dass Dale Pond nicht in der Lage sei, auch nur eine seiner Keely-Nachbauten in Bewegung zu versetzen, allein schon deshalb nicht, weil die von ihm nachgebauten Maschinen vollkommen unbrauchbar seien und Pond damit nur viel Geld verdienen wolle: er sei ein Betrüger. Jeder wird sich hier wohl am besten selbst ein Urteil bilden.

1 Rudolf Steiner: Weltwesen und Ichheit . GA 169. 2.Aufl. Dornach 1963. S. 67 f.).

2 John Worrell Keely in: H.P. Blavatsky : Die Geheimlehre. Band 1 „Kosmogenesis“. Reprint der Originalausgabe Den Haag o.J . Seite 607.

3 Heft Nr. 107/Michaeli 1991

4 Rudolf Steiner: Die Tempellegende und die Goldene Legende. GA 93. Dornach 1979. S. 286

5 In Rudolf Steiner: Die soziale Grundforderung unserer Zeit - in geänderter Zeitlage. GA 186. Dornach 1979. Vortrag vom 1.12.1918.

6 ebd. S. 78

7 Internet-Adresse der Homepage von Dale Pond: http://www.svpvril.com

8 Internet-Adresse von KEELY-NET: http://www.keelynet.com

Wer sich einige der Erfindungen von Keely auf historischen Originalphotos anschauen will, der kann eine CD-ROM mit über 50 Abbildungen der Geräte und einiger Konstruktionszeichnungen zum Preis von EUR 19,90 erhalten beim Lohengrin-Verlag; Mühlenberg 12; D - 25782 Tellingstedt.